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Kreativitätsklima

Kreativitäts- und innovationsfördernde Bedingungen beinhalten vor allem folgende Aspekte des Arbeitsklimas: Anregung und Aktivierung von Neugier, Denken und Handeln, Zielgerichtete intrinsische Motivierung, Offene und vertrauensvolle Atmosphäre, Freiräume und Förderung von Unabhängigkeit des Denkens und Handelns, Abbau von Hemmungen und Blockaden.

So können Sie selbst in Ihrem Verantwortungsbereich Arbeitsbedingungen kreativitätsfreundlich gestalten (Ausgewählte Beispiele nach Preiser & Buchholz, 2004).

Anregung und Aktivierung von Neugier, Denken und Handeln

Wie können Sie den Anregungsgehalt der Arbeitsumgebung verändern?

  • Aufwärmphase: Gönnen Sie Ihren Mitarbeitern die Zeit, in ein Problemgebiet langsam einzusteigen und sich zunehmend intensiver einzudenken!
  • Gelassenheit: Kreative Gedankengänge bauen aufeinander auf. Das geht nicht abrupt. Kreativität benötigt Zeit. Am günstigsten ist es, wenn sich die Ideen "wie von selbst" aus der Situation ergeben.
  • Anregungen zur Spontanität: Bieten Sie Ihren Mitarbeitern Gelegenheiten für Spontaneität!
  • Erfolgserfahrungen: Je mehr positive Erfahrungen Ihre Mitarbeiter mit ihren eigenen Handlungsmöglichkeiten gemacht haben, desto eher werden sie auch durch neue Situationen zu eigener Aktivität ermuntert.
  • Anregende Arbeitsplatzgestaltung: Schaffen Sie eine abwechslungsreiche, vielseitige, aber nicht überfordernde, nicht ablenkende Arbeitsumwelt. Sorgen Sie für eine nutzerfreundliche Ausstattung mit Werkzeugen und Hilfsmitteln.
Besorgen Sie Schaubilder, originelle Ziergegenstände, farblich ansprechende Arbeitsmaterialien! Je mehr und je vielseitigere äußere Anregungen ermöglicht werden, desto weniger werden die Gedanken eingeengt oder blockiert.
  • Vielseitige Informationsmaterialien: Fördern Sie einen freien Zugang zu Informationen, zu Büchern, Zeitschriften, Datenbanken und Informationssystemen. Je leichter Hintergrundwissen verfügbar ist, desto besser und schneller können Mitarbeiter es zielgerichtet für ihr Problem nutzen.
  • Ansprechpartner: Schaffen Sie einen Kreis von kompetenten Ansprechpartnern! Gesprächspartner können Fachleute mit einem Vorsprung an Informationen sein. Ebenso nützlich sind aber auch fachfremde "geduldige Zuhörer", weil diese durch ihr Zuhören und gelegentliches Nachfragen zum intensiven Durchdenken eines Problemgebietes anregen.

Zielgerichtete Motivierung

Wie können Sie eine motivierende Arbeitsatmosphäre aufbauen?

  • Freude an der Tätigkeit: Motivieren Sie von innen heraus. Tragen Sie dazu bei, dass andere die Freude an einer spannenden Tätigkeit unmittelbar erleben können! Eine intrinsische, d.h. aus der Aufgabe selbst heraus kommende Motivierung aktiviert das Energiepotential und lenkt es auf das Ziel hin.
  • Suche nach lohnenden Aufgaben und Zielen: Sensibilisieren Sie gezielt für lohnenswerte Aufgaben in der Umgebung! Jeder Mensch kann in seiner Umgebung Aufgaben entdecken, an denen er die eigenen Potentiale testen und weiterentwickeln kann.
  • Verständnis für den Sinn: Erläutern Sie den Sinn von Aufträgen und Aufgaben! Wenn der Sinn einer Aufgabe verstanden ist, macht sie sehr viel mehr Freude. Außerdem werden vermeidbare Sackgassen aufgrund von Missverständnissen ausgeschlossen.
  • Übernahme von Verantwortung: Ermöglichen Sie es, sich mit den Aufgaben zu identifizieren, sie als persönlichen Verantwortungsbereich zu akzeptieren! Dadurch erleichtern Sie es, ein Problemgebiet durch intensive Wahrnehmung, durch Nachdenken, aktives Handeln und gefühlsmäßiges Erleben zu durchdringen.
  • Belohnungen nicht im Zentrum: Schrauben Sie die Bedeutung äußerer Belohnungen zurück! Sie können durch Wettbewerb oder Konkurrenz anspornen. Aber konzentrieren Sie die Aufmerksamkeit nicht allein auf den Sieg im Wettbewerb oder die Anerkennung durch andere, sondern mehr auf die Aufgabe selbst!
  • Selbstkontrolle: Fördern Sie Selbstbewertungen der eigenen Arbeit! Eigene Erfahrungen werden leichter akzeptiert und nachhaltiger verarbeitet als von außen kommende Urteile.
  • Konstruktive Rückmeldungen: Geben Sie am Ende einer Problemlösung ein Feedback. Bestätigen Sie den Wert von geäußerten Vorschlägen und Ideen. Respektieren Sie ungewöhnliche Ideen! Eine positive oder konstruktiv-kritische Rückmeldung baut Unsicherheit ab und ermutigt zu weiteren Aktivitäten.

Versuchen Sie dabei, gemeinsam zu rekonstruieren, welche Handlungen, Gedankengänge und Problemlösestrategien zum Erfolg oder Misserfolg geführt haben. Geben Sie aufgrund dieser Erfahrungen Lernhinweise und konstruktive Verbesserungsvorschläge für zukünftige Problemlösungen!

Offene und vertrauensvolle Atmosphäre

Tragen Sie zu einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre bei!

  • Gedankenaustausch: Fördern Sie einen freien Gedankenaustausch! Jeder Gedanke, auch wenn er dumm erscheint oder zum Widerspruch reizt, regt die Gedanken der andern an. So entsteht eine zwanglose Ideenbörse.
  • Offene Atmosphäre: Tragen Sie zu einer Atmosphäre bei, in der alle über ihre Absichten, Wünsche, Gefühle und persönlichen Einstellungen reden können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Fördern Sie eine offene und konstruktive Konfliktbearbeitung! Je offener die Atmosphäre ist, desto eher werden sich Menschen mit ihrer ganzen Person auf die Zusammenarbeit einlassen.
  • Vertraulichkeit: Achten Sie den Wunsch nach Vertraulichkeit heikler Informationen! Vertraulichkeit ist die Basis von Vertrauen. Vertrauen in die Partner wiederum sorgt für die notwendige Offenheit. Auch im Betrieb, in der Schule oder in der Familie gibt es ein "Beichtgeheimnis".
  • Verlässlichkeit: Seien Sie ein verlässlicher Partner oder eine verlässliche Partnerin! Nur wer sich sicher und "geborgen" fühlt, kann aus sich herausgehen und sich auf ungewisse Wege einlassen.
  • Vorleistungen: Locken Sie andere aus der Reserve. Bieten Sie ein Vorbild für Offenheit und Vertrauen! Durch eigene Offenheit tragen Sie dazu bei, dass auch andere sich öffnen. Ihre "Vorleistungen" sorgen dafür, dass andere nachziehen.

Freiräume; Unabhängigkeit des Denkens und Handelns

Was können Sie tun, um als Vorgesetzte Konformität und Abhängigkeit zu reduzieren?

  • Keine unnötige Disziplinierung: Bauen Sie verbotsorientierte und autoritäre Führungsstile ab. Beschränken Sie Disziplinmaßnahmen auf das Unumgängliche! Rigorose Disziplinierung ist nur scheinbar die zwangsläufige Konsequenz großer Mitarbeiterzahlen. Sie lässt sich reduzieren, wenn die Fähigkeit und Bereitschaft zur Selbstkontrolle in der Gruppe aufgebaut wird.
  • Führungs- oder Erziehungsstil: Entwickeln Sie einen kooperativen Führungs- oder Erziehungsstil. Erkennen Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als gleichwertige Partner an! In einer gleichwertigen Partnerschaft erfolgt keine Fixierung der Einstellungen auf Autoritäten oder auf die Mehrheit. Die Unabhängigkeit des Denkens bleibt erhalten.
  • Respekt vor ungewöhnlichen Ansichten: Zeigen Sie Respekt vor ungewöhnlichen Ansichten und Ideen einer Minderheit oder einer einzelnen Person! Dadurch ermutigen Sie zu originellen Gedankengängen.
  • Individualität: Tolerieren Sie individuelle Besonderheiten! Sie sorgen für Vielseitigkeit und Bewegung.
  • Offene Verhaltensmuster: Fördern Sie offene, nicht überregulierte Verhaltensweisen in der Gemeinschaft! Je weniger sinnleere Konventionen das Zusammenleben einschränken, desto mehr steigert sich die Freude an Verschiedenheit und Vielseitigkeit.
  • Handlungsspielräume: Erweitern Sie Handlungsspielräume für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kolleginnen und Kollegen! Je mehr jemand selbst entscheiden darf, je mehr unterschiedliche Handlungsweisen akzeptiert werden, desto eher werden auch unabhängige und nonkonforme Anregungen und Problemlösungen entwickelt.

Abbau von Hemmungen und Blockaden

Was können Sie tun, um als Vorgesetzte Hemmungen abzubauen - oder gar nicht erst aufkommen zu lassen?

  • Selbstvertrauen: Fördern Sie Selbstbewusstsein und subjektive Sicherheit. Vermeiden Sie spöttische und abwertende Äußerungen! Selbstvertrauen und Vertrauen in die Situation erweitern oder sichern die persönlichen Handlungsspielräume, die sich jemand zubilligt.
  • Keine Furcht vor Misserfolg: Reduzieren Sie Leistungsdruck und übermäßige Erfolgsfixierung. Bauen Sie Furcht vor Misserfolg, Fehlern und Risiken ab! Dadurch erleichtern Sie unkonventionelle Gedankengänge.
  • Kein überhöhter Stress: Reduzieren Sie Zeitdruck und Stress auf ein individuelles Optimum! Dieses Optimum ist von der Vitalität und der Frustrationstoleranz abhängig. Stress bis zu einem gewissen Grad kann stimulierend wirken, oberhalb des Optimums führt er jedoch zu einer Einengung des Wahrnehmungs- und Handlungsspielraums.
  • Verzicht auf Perfektion: Verzichten Sie auf absolute Perfektion, endgültige Gewissheit oder auf eine Überbetonung logischen, systematischen Denkens! Überkritische Haltungen schaffen Selbstzensur und engen deshalb ein.
  • Aufgeschobene Bewertung: Trennen Sie Phasen des Denkens und der Ideenfindung von der nachfolgenden Bewertung und Entscheidung. Schieben Sie Bewertungen auf! Dadurch erleichtern Sie spontanes, unzensiertes, freies Denken und verzichten dennoch nicht auf ein systematisches Durcharbeiten und Auswerten der Ideen.
  • Entspannte Atmosphäre: Bauen Sie eine entspannende Atmosphäre auf, zum Beispiel durch aufgelockerte Sitzordnung, unkonventionelle Raumausstattung, Denkphasen außerhalb der Büroräume, Nutzung von Tagungsstätten mit Freizeitangebot!


Auch in Ihrer privaten Umwelt, im Verein oder in der politischen Arbeitsgruppe können Sie eine entspannende Atmosphäre gezielt fördern. In entspannter und unkonventioneller Atmosphäre treten angelernte Hemmungen in den Hintergrund.

Autor

Dr. Siegfried Preiser

Preiser(at)paed.psych.uni-frankfurt.de