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Betriebseigene Kindertagesstätte

Mit einer eigenen Einrichtung kann ein Unternehmen seinen Beschäftigten eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung bieten, die seinen speziellen Anforderungen, zum Beispiel hinsichtlich der Öffnungszeiten, gerecht wird. Vor allem für Kinder unter drei Jahren ist das öffentliche Angebot noch immer unzureichend, aber auch für jede andere Altersgruppe können Firmenplätze regional vorhandene Lücken schließen.

Die Betriebskindertagesstätte (Betriebskita) kommt nicht für jedes Unternehmen in Frage: Unterhalb einer bestimmten Anzahl von Kindern (mindestens 10 bei dauerhafter Betreuung), lohnt sich eine eigene Einrichtung nicht. Möglicherweise bietet sich aber auch in solchen Fällen eine Kooperation mit einem anderen Unternehmen an. Wer eigene Maßnahmen für eine geringere Anzahl an Kindern wünscht, kann dies zum Beispiel durch eine betrieblich unterstützte Tagesmutter verwirklichen.


Betriebseigene Plätze - in vielen Varianten

Es gibt viele Formen, den Beschäftigten zuverlässig Plätze für ihre Kinder in einer Einrichtung zur Verfügung zu stellen. Unterscheiden können sich Einrichtungen, die für Unternehmen in Frage kommen, vor allem hinsichtlich der folgenden Kriterien:

  • Wer betreibt die Einrichtung: Die Firma selbst, ein externer Dienstleister oder eine Elterninitiative?
  • Wer nutzt die Einrichtung: Nur die Kinder Ihrer Beschäftigten oder auch die anderer Firmen oder aus der Nachbarschaft?
  • Für Kinder welchen Alters ist die Einrichtung, nur für Krippenkinder unter drei Jahren, für Kindergartenkinder zwischen drei und sechs Jahren, für Schulkinder zwischen sechs und 14 oder für eine Kombination dieser Altersgruppen?
  • Soll ?nur? dauerhafte, regelmäßige Betreuung oder auch/stattdessen Betreuung in Ausnahme- und Notsituationen geboten werden?
  • Wer trägt die Kosten: Nur die Firma, auch die Eltern und zu einem Teil die öffentliche Hand?
  • Nach welchem pädagogischen Ansatz soll die Einrichtung arbeiten?

Nutzen und Hürden

Nutzen Hürden
  • Zuverlässige Betreuungsplätze für Beschäftigte
  • Unabhängig vom öffentlichen Angebot
  • Passend zu Anforderungen der Firma, z.B. mit besonderen Öffnungszeiten
  • Plätze vor allem für unter 3-Jährige möglich
  • Eltern sind nahe bei ihren Kindern, Kinder nahe beim Arbeitsplatz der Eltern
  • Ausbaufähig für besondere Bedarfslagen
  • Sehr effektiv, um die Elternzeit zu verkürzen
  • Hoher Imagegewinn für die Firma
  • Je nach Modell relativ hohe Dauerkosten ? hohe Investivkosten - hoher Aufwand
  • Langfristige Bindung von Mitteln
  • Dauerhafte Belegung muss gesichert sein
  • Auflagen bei öffentlichen Zuschüssen
  • Wird nicht allen Eltern gerecht
  • Teure Maßnahme, nur für Eltern

Nutzen von Kinderbetreuungseinrichtungen

Mit einer betrieblichen Einrichtung können Sie unabhängig vom öffentlichen Angebot für Ihre Beschäftigten die Kinderbetreuung zuverlässig sicher stellen und diese genau nach Ihren Anforderungen gestalten, zum Beispiel in bezug auf das Alter der Kinder oder passend zu den Öffnungszeiten.

Eine betriebseigene Einrichtung ist unternehmensnah, so dass Eltern schnell bei Ihren Kindern sind, keine Fahrtzeiten und somit weniger Stress haben. Sie kann bei verändertem Bedarf schnell ausgebaut werden, zum Beispiel mit einer zweiten Gruppe oder der Öffnung für Schulkinder.

Eine betriebseigene Einrichtung bedeutet einen deutlichen Imagegewinn, sowohl intern als auch in Ihrer Stadt oder Region und macht Sie insbesondere für hochqualifiziertes Personal attraktiv. Mit einer guten betriebseigenen Einrichtung kehren Mütter in der Regel schneller nach der Elternzeit wieder an ihren Arbeitsplatz zurück. Sie sparen so Kosten für die Wiedereinarbeitung bzw. die Organisation von Elternvertretungen.

Hürden

Eine betriebseigene Einrichtung kann ? abhängig von der Qualität der Ausstattung und Betreuung ? sehr hohe Kosten verursachen. Oft ist aber eine öffentliche Förderung durch die Kommune und / oder das jeweilige Bundesland möglich. Den Aufwand für die Planung und den laufenden Betrieb der Einrichtung können Sie reduzieren, indem Sie einen erfahrenen externen Träger beauftragen.

  • Langfristige Bindung von Mitteln
Eine Einrichtung ist nur empfehlenswert, wenn sie langfristig angelegt ist. In der Konsequenz muß das Unternehmen entsprechend langfristig in die Einrichtung investieren. Die Gesamtkosten können durch Elternbeiträge und durch eine Förderung von Land oder Kommune verringert werden. Kostengünstigere Alternativen sind die Unterstützung durch Elterninitiativen oder der Kauf von Belegplätzen in bestehenden Einrichtungen.
  • Dauerhafte Belegung muss gesichert sein
Der Bedarf an Kinderbetreuung ist ? zumindest auf lange Sicht ? schwer zu planen. Aufgrund der hohen Kosten sollte eine Einrichtung aber dauerhaft voll ausgelastet sein. Sie können sie deshalb für Kinder aus dem Stadtteil öffnen in Zeiten, in denen sie durch Ihre Beschäftigten nicht ausreichend genutzt wird.
  • Auflagen für öffentliche Zuschüsse
Wenn Sie öffentliche Zuschüsse beantragen, müssen Sie die jeweils geltenden Auflagen berücksichtigen. Meist müssen Sie dann auch Kinder aus dem Stadtteil aufnehmen, die Förderung ist oft auf regelmäßige Betreuung beschränkt und die Aufnahme von Gastkindern (aus anderen Gemeinden) nicht vorgesehen. Informieren Sie sich frühzeitig über die jeweils geltenden Bedingungen. In der Regel sind Kommunen aber gerade jetzt sehr aufgeschlossen für ein Engagement in Kinderbetreuung, was die Verhandlungen sehr erleichtern kann.
  • Wird nicht allen Eltern gerecht
Mit einer einzigen Einrichtung können Sie kaum alle Eltern unter den Beschäftigten zufrieden stellen. Meist sind Einrichtungen auf :eine bestimmte Altersgruppe und Öffnungszeit festgelegt. Eltern mit größeren bzw. kleineren Kindern oder besonderen Arbeitszeiten haben dann nach wie vor Lücken bei der Kinderbetreuung. Die Lösung für dieses Problem ist eine möglichst breite Altersmischung (z.B. von 1 bis 10) und das Angebot von Back-up-Plätzen für besonders frühe oder späte Betreuung.
  • Teure Maßnahme, nur für Eltern
Eine Einrichtung verursacht zum Teil hohe Kosten und kommt nur einer Gruppe der Beschäftigten zugute. Sie lohnt sich deshalb nur, wenn in der Belegschaft sehr viele Eltern arbeiten und Sie damit rechnen, dass sich dies in den nächsten Jahren nicht grundlegend ändern wird. Auf der Homepage von www.mittelstand-und-familie.de finden Sie eine Bedarfsanalyse, die Ihnen hilft, den derzeitigen und mittelfristigen Bedarf an Kinderbetreuung zu ermitteln.
Haben Sie schon eine Immobilie im Blick?
Tipp: Klären Sie zuerst, ob diese Immobilie den vorgegebenen Standards für eine Kinderbetreuungseinrichtung 
entspricht bzw. entsprechend umbaubar wäre. Vor allem die Auflagen zu Brandschutz und Fluchtwegen können zu hohen
Umbaukosten führen. Wenden Sie sich dafür an Ihr zuständiges Jugendamt. Dieses kann Ihnen mitteilen, welche Behörde
die Einrichtung begehen kann.

Bedarfsermittlung im Unternehmen

Um den Bedarf für Kinderbetreuung zu ermitteln, gibt es verschiedene Methoden. Ist die Belegschaft so groß, dass Sie den Bedarf nicht persönlich kennen oder in Erfahrung bringen können, ist eine Bedarfsanalyse ein sinnvoller Schritt. Bei dieser Analyse werden alle Beschäftigten ? auch diejenigen in Elternzeit - per Fragebogen dazu befragt, ob sie derzeit eine Kinderbetreuung benötigen oder dies in den nächsten drei Jahren erwarten. Mit dieser anonymen Methode können Sie den möglichen Bedarf sehr genau erfassen, weil nicht nur der aktuelle abgefragt wird, sondern auch der künftige prognostiziert werden kann.

Eine weniger aufwändige Methode, die besonders für kleinere Belegschaften geeignet ist, ist ein Workshop bzw. eine Fokusgruppe zum Thema Kinderbetreuung. Wer daran teilnehmen soll, bleibt Ihnen überlassen. Sie können gezielt Personen ansprechen, zum Beispiel Beschäftigte mit Kindern oder Personalverantwortliche, die erfahrungsgemäß viel über die Personalstruktur und die Sorgen und Nöte des Personals wissen, oder Sie laden alle Angestellten ein (per Rundschreiben, Rundmail, Aushang am schwarzen Brett, etc.) und halten die Veranstaltung für jeden offen, der am Thema interessiert sein könnte.

Eine Fokusgruppe mit ca. 15 Teilnehmer/-innen kann an einem halben Tag durchgeführt werden. Ziel ist auch hier, einen Überblick über den möglichen Bedarf an Kinderbetreuung zu erhalten. Darüber hinaus werden verschiedene Formen der Kinderbetreuung vorgestellt und diskutiert.

Umsetzungsschritte

Der Aufbau einer eigenen "Betriebskita" oder die Schaffung von Betreuungsplätzen für die Kinder Ihrer Beschäftigten in Kooperation mit anderen Unternehmen oder einer Einrichtung bedarf einer genauen Planung und Umsetzung. Die hier dargestellten Schritte gelten zunächst für eine eigene betriebliche Betreuungseinrichtung. Diese Schritte sind auf Kooperationsmodelle mit anderen Unternehmen oder vorhandenen Einrichtungen weitgehend übertragbar.

Die Erklärungen und Schritte sind so gestaltet, dass Sie keine pädagogischen Fachkenntnisse oder Erfahrungen mit der Einrichtung von Kindertagesstätten brauchen. Wir empfehlen Ihnen, die vorgegebene Abfolge einzuhalten bzw. zumindest vollständig zu lesen. Lediglich in Bezug auf die öffentliche Förderung (Punkt 7) sollten Sie aufgrund der langen Vorlaufzeiten so früh wie möglich mit den Verhandlungen beginnen.

1. Kommt eine Einrichtung für Ihre Firma in Frage?

2. Planungsgrundlage: Gute Vorbereitung für alle weiteren Entscheidungen und Schritte

3. Wer unterstützt Sie? Wie wollen Sie weiter arbeiten?

4. Der Bedarf: Was soll und wird Ihre Einrichtung leisten?

5. Rechtliche Vorgaben und Förderbedingungen: Welche Vorgaben müssen Sie einhalten? Wo haben Sie Spielraum? Welche Förderung können Sie bekommen?

6. Räume finden und deren Eignung klären

7. Das Finanzierungskonzept: Mit oder ohne öffentlicher Förderung

8. Räumlichkeiten umbauen und ausstatten

9. Das pädagogische Konzept Ihrer Einrichtung

10. Die nächsten Schritte

11. Variante: Die betriebsnahe Elterninitiative

Die Einführung einer betriebseigenen Einrichtung ist ein aufwändiger und komplexer Vorgang, daher ist es sinnvoll, sich im Vorfeld beraten zu lassen. Viele Informationen finden Sie unter www.mittelstand-und-familie.de oder www.familie-und-beruf.de. Teilweise können auch die hiesigen Jugendämter weiterhelfen.

Die hier enthaltenen Informationen sind zum Teil dem Internetportal Mittelstand und Familie entnommen. Ansprechpartner: kontakt(at)mittelstand-und-familie.de

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Die Informationen sind zum Teil dem Internetportal Mittelstand und Familie entnommen: kontakt(at)mittelstand-und-familie.de