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Kollegiales Gruppencoaching
Version vom 18. September 2015, 14:57 Uhr von Sascha Hertling (Diskussion | Beiträge)

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Kollegiales Gruppencoaching wird in Anspruch genommen von Personen zur Bearbeitung von verschiedenen Problem- und Fragestellungen im beruflichen Alltag, zur Qualifizierung ihrer Fach- oder Führungstätigkeit bzw. zur Erweiterung der kommunikativen Kompetenzen. Einzelne Teilnehmer bringen eine Fragestellung/ Problemkonstellation aus ihrem beruflichen Alltag ein und erhalten ein Coaching durch die Gruppe.

Unter Anwendung einer professionell gestalteten Coachingmethode kann eine kollegiale Coachinggruppe nach einer kurzen Einführungsphase (2- Tagesseminar) autark, ohne professionelle Begleitung, kollegiales Gruppencoaching durchführen.


Gruppenzusammensetzung

Das kollegiale Gruppencoaching findet idealerweise in einer Gruppe von 6 - 8 Personen statt. Diese sollten nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen. Es ist nicht zwingend notwendig, aber durchaus hilfreich, wenn die Teilnehmenden aus unterschiedlichen beruflichen Zusammenhängen kommen, da im Coaching die Vielfalt von Perspektiven für eine breite Auffächerung von Lösungsideen genutzt wird.

  • Homogene Gruppen
Von Homogenität der kollegialen Coachinggruppe wird gesprochen, wenn alle Teilnehmenden beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt sind, der gleichen Berufsgruppe angehören oder die gleiche Funktion innehaben.
  • Heterogene Gruppen
In heterogenen Gruppen treffen sich Personen aus unterschiedlichen Arbeitskontexten, z.B. Verwaltung, Wirtschaft, Bankwesen, Politik usw. Gemeinsam ist den Teilnehmenden z.B. die Rolle, die Situation oder die Funktion. Häufig findet die Begegnung der :Teilnehmenden in Netzwerken statt, am Arbeitplatz oder bei Fortbildungen, vorzugsweise bei solchen, die Führung und/oder Coaching zum Thema haben.

Vorgehensweise

Die kollegiale Coachinggruppe braucht keine gemeinsamen Anliegen, da im kollegialen Gruppencoaching immer ein individuelles Anliegen einer Person (Klientin/Klient) mit Hilfe der Gruppe bearbeitet wird. Die Gruppe ist für die Dauer der durchgeführten Coachingeinheit Dienstleister für die jeweilige Klientin, den jeweiligen Klienten.

Eine Gruppe bearbeitet pro Treffen maximal 2-3 Coachinganliegen, die von den Teilnehmenden eingebracht werden. Der Ablauf der Sitzungen erfolgt nach einer zeit- und methodendisziplinierten Vorgehensweise. Ein Coachinganliegen wird in einer Coachingeinheit (Dauer ca. 70 Minuten) bearbeitet.

Jede Coachingeinheit beinhaltet die Phasen Situationsbeschreibung, Visionsarbeit und Zielfindung, Lösungssuche und Auswahl sowie eine erste Schritt - Planung zu dem jeweils eingebrachten Anliegen. Die Klientin/der Klient erhält somit konkrete Maßnahmenplanungen für ein Thema des beruflichen Alltages. Dies wird ermöglicht durch Rollenaufteilung, das Einhalten einer bestimmten Haltung, die Steuerung einer Prozeßabfolge und den Einsatz bestimmter Methoden. Diese werden in einer einführenden Schulung gelernt.

Einführende Schulung

Die Methode des Kollegialen Gruppencoachings bedarf eines gemeinsamen Verständnisses der Teilnehmenden über die Begrifflichkeit des Coachings, seine Anlässe, Durchführungsformen und Zielsetzungen. Dieses Verständnis wird mittels eines theoretischen Inputs und Diskussion erarbeitet. Wesentlich dabei ist die wertschätzende, respektvolle und empathische Haltung des Coaches, bzw. der coachenden Gruppe gegenüber dem Klienten/der Klientin.

Die Teilnehmenden erfahren die Möglichkeit, den Coachingprozess so zu steuern, dass im Ergebnis konkret umsetzbare Verhaltensmöglichkeiten für den Klienten/die Klientin entstehen. Hierzu werden hilfreiche Methoden der Gesprächsführung eingeübt. Danach wird der Leitfaden des Kollegialen Gruppencoachings vorgestellt und in seinen Besonderheiten erörtert. Die Einhaltung des Leitfadens garantiert auch noch wenig geübten Teilnehmenden ein zielgerichtetes Coachingverhalten.

In einem ersten Coachingdurchgang mit der Gruppe führt die Dozentin/der Dozent beispielhaft dieses Verhalten vor. Danach gestaltet die Gruppe mit der Dozentin/dem Dozenten im Hintergrund eine erste eigenständige Coachingeinheit. Danach kann die Gruppe selbstorganisiert die Methode des Kollegialen Gruppencoachings anwenden.

Vorgehensweise der Gruppe

Die Gruppen verabreden den Ort und die Anzahl der Treffen selbstständig. Manche Gruppen treffen sich einen halben Tag in einem kürzeren Abstand (ca. 4 - 8 Wochen) oder für einen ganzen Tag, meistens in einem 2 - 3 monatigen Abstand. Dies hängt von den Möglichkeiten und Bedürfnissen der Gruppen selbst ab.

Bedarf an Räumlichkeiten und Material

Für die Durchführung des Kollegialen Gruppencoaching ist es hilfreich, wenn die Gruppe in einem Stuhlkreis mit etwas Bewegungsfreiheit sitzen kann. Es werden Metaplanwände, Flipchart und Moderationsmaterial (Kärtchen, Stifte) eingesetzt. Da es im Coaching um die Entfaltung von Potential und Ressourcen geht, ist auch bezüglich des äußeren Rahmens darauf zu achten, dass die Teilnehmenden entsprechend arbeiten können (Getränke, Essen, Frischluft, Pausen).

Leitfaden

Bei der einführenden Schulung wird der Sinn und Zweck des Leitfadens zum Kollegialen Gruppencoaching erklärt und erlebt. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Gruppen bei Anpassungen und Abweichungen vom Leitfaden gern wieder zur Ursprungsform zurückkehren, manchmal mit einer Auffrischung und Methodenanreicherung.

Auch bei methodischen Variationen wird die Grundform des Leitfadens immer eingehalten. Der Leitfaden ist so aufgebaut, dass er die Prozessteuerung hin zu Zielen und Lösungen in einem definierten Zeitraum ermöglicht.

Tutorium

Die Führungsakademie Baden-Württemberg bietet interessierten Gruppen die Möglichkeit einer kostenlosen tutoriellen Begleitung für ein Jahr an. Der hierfür geschulte Tutor/die Tutorin unterstützt die Gruppe bei noch vorhandenen Unsicherheiten und Problemen.

Gewinn

Der persönliche Gewinn der Teilnehmenden liegt zunächst in der Möglichkeit, für konkrete Anliegen, Probleme und Themen in einer geschützten, wertschätzenden Atmosphäre zielorientiert praktikable Lösungen zu finden. Durch das regelmäßige Anwenden von Coachingmethoden findet eine Kompetenzerweiterung der eigenen kommunikativen Fähigkeiten und Problemlösetechniken statt. Hierbei setzt eine persönliche Weiterentwicklung ein, die durch den Gruppenprozeß mitgetragen wird.

Der Gruppengewinn besteht in der Erfahrung, gemeinsam kreativ an Lösungen zu arbeiten, ein Vertrauensverhältnis miteinander aufzubauen und zu pflegen, ein Netzwerk der gegenseitigen Unterstützung zu haben und kompetent mit der entstehenden Gruppendynamik umzugehen. Dies kann beispielhaft in den beruflichen Alltag hineinwirken und die Führungs- bzw. Kommunikationskultur der eigenen Arbeitsorganisation positiv beeinflussen.

Autorin

Dr. Elke Berninger-Schäfer

Berninger-Schaefer(at)t-online.de