Wie ist sie aufgebaut, wozu dient sie, wie lässt es sich dort arbeiten und welcher Mindset herrscht dort vor? Oder anders und einfach: Möchte ich dort zu arbeiten? Wir leben in einem Rechtsstaat. Die Verwaltung auf allen Ebenen staatlichen Handelns kann nur innerhalb des geltenden Rechts agieren. Verwaltung dient keinem Selbstzweck. Sie stellt das Miteinander der Menschen sicher, setzt Grenzen, wo nötig und gewährt Leistung wo Bedürftigkeit. Verwaltung ist aber kein abstraktes Gebilde, sondern besteht aus Menschen, die einer Behörde ein Gesicht, einen Kopf und auch Hände geben. Diese Menschen müssen gefunden, ausgewählt, ausgebildet und gehalten werden.
Verwaltung ist weniger statisch als ihr Ruf. Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung bieten den Mitarbeitenden die Möglichkeit, innerhalb der Struktur aufzusteigen und sich durch neue Aufgaben weiterzuentwickeln.
Der Beitrag gibt einen Eindruck der Verwaltung als künftiger Arbeitgeber.
# Was ist eigentlich ?diese Verwaltung??
Vorab ist festzustellen, dass es die ?eine? Verwaltung nicht gibt. Die Verwaltung taucht als die exekutive Staatsgewalt (neben judikative und legislative) in verschiedenen Ebenen und unterschiedlichen Feldern auf. Dabei leistet sie einen wesentlichen Beitrag zum rechtssicheren Zusammenleben der Menschen. Ein Staat handelt in allen Bereichen seines Wirkens durch die Organe der Administration, sowohl auf der Ebene der Kommunen als auch in den Gebietskörperschaften, den Ländern und des Bundes bilden die Leistungs- und Eingriffsverwaltung die Grundlage und den Rahmen staatlichen Handelns. Vorrang und Vorbehalt des Gesetzes als Ausfluss des Rechtsstaatlichkeitsprinzips von Art 20 III GG ist dabei eine wesentliche Grundlage: Die Verwaltung kann und darf nur auf dieser Grundlage und innerhalb des geltenden Rechts agieren. Das Recht ist damit die Grundlage der Administration, dabei geht es aber nicht um das Auswendiglernen von Paragrafen, sondern vor allem um die praktische und praxisnahe Anwendung der Regelungen, was stets einen hohen Praxisanteil enthält. Aber wie gesagt: Der Rahmen gibt das Recht vor.
# Menschen sind dabei aber der Kernbereich der Administration.
Die Verwaltung ist kein abstraktes Gebilde oder eine anonyme Behörde. Verwaltung besteht aus Menschen, die der Behörde ein Gesicht, einen Kopf und auch Hände geben. Dabei ist das Aufgabengebiet breit gefächert und für jeden ist etwas dabei. Die Tätigkeit kann dabei in einer Beamtenlaufbahn oder als Angestellte/r wahrgenommen werden, wobei die Tätigkeit im Berufsbeamtentum die Laufbahnen des einfachen, des mittleren, des gehobenen und des höheren Dienstes kennt. Diese Laufbahnen sind gesetzlich klar geregelt, unterscheiden sich in einzelnen Punkten zwischen den Kommunen, den Ländern oder dem Bund. Es gibt auf allen Ebenen der Exekutive Betätigungsfelder für Beamte, gleiches gilt für Angestellte mit einem Vertrag und tarifrechtlichen Regelungen.
Der guten Ordnung und Vollständigkeit halber seien als weitere Tätigkeiten im Öffentlichen Dienst der Beruf der Richterin/es Richters und der Soldatenberuf erwähnt. Erstere sind überwiegend bei den Ländern und wenige beim Bund beschäftigt. Die Soldatenlaufbahnen führt nur der Bund, die gesetzlichen Regelungen sind hier ähnlich wie im Beamten- und Richterrecht. Tatsächlich ist es so, dass auf Abordnungsbasis Richter/innen in der Verwaltung tätig werden können, dieser Wechsel zwischen Exekutive und Judikative kommt nicht selten vor und weitet den Blick für den anderen Bereich staatlicher Gewalt. Soldatinnen und Soldaten können im Ministerium eingesetzt werden, auch in höheren Kommandobehörden, wobei dann deren Tätigkeit exekutiver Natur ist.
Egal über welchen Abschluss der geneigte Lesende verfügt oder anstrebt, für jeden ist etwas dabei und es gibt zahlreiche Qualifikations- und Wechselmöglichkeiten, von denen gerne gebraucht gemacht wird. Verwaltung ist erfolgreich, wenn die Motivation und die Qualifikation der dort Tätigen stimmen.
Bei allen berechtigten Bemühungen um Digitalisierung, die in der Verwaltung voranschreitet, die Verwaltung wird nie ohne Menschen auskommen und das ist auch gut so.
# Was bedeutet dieser Umstand für das Personalgeschäft?
Tatsächlich hat der Wettbewerb um die besten Köpfe bereits lange begonnen und die Administration muss sich darüber bewusst sein, dass sie auf die Interessen und Erwartungen der jungen Menschen zugehen muss. Die Bewerberzahlen sind weiterhin ordentlich, aber anders als früher gibt es keinen mehrfachen Überschuss und man kann sich nicht mehr bloß auf die Auswahl beschränken. Im Gegenteil. Verwaltung konkurriert mit anderen Arbeitgebern und muss ihre Vorzüge kommunizieren. Diese gibt es zuhauf, Öffentlicher Dienst ist ein besonderer Arbeitgeber, der Sicherheit, Berechenbarkeit, aber auch Flexibilität, wenn man möchte, bietet. Und die Tätigkeit für die Kommune, das Land, den Bund ist ein Arbeiten für Menschen und die Gesellschaft und bietet einen ideellen Wert, der unvergleichbar ist. Es empfiehlt sich dabei ein ehrlicher Dialog mit den Interessenten. Verwaltung als etwas zu präsentieren, was sie nicht ist (und gar nicht zu sein braucht) geht schief und die Wechselquote wird vorprogrammiert.
Diese Menschen müssen gefunden, ausgewählt, ausgebildet und nicht zuletzt auch gehalten werden. Die Auswahl findet in den allermeisten Fällen in den Behörden statt, die eigene Stellen ausschreiben. Es ist ein formalisiertes Verfahren, das am Ende das Ziel hat, auf der Grundlage der objektiven Qualifikationen (Abschlüsse und dokumentierte Berufserfahrungen) in Gesprächen festzustellen, ob der Bewerber in das System passt. Erst einmal eingestellt, findet in manchen Bereichen eine mehrjährige Ausbildung statt, so zum Beispiel beim gehobenen Dienst ähnlich einer Fachhochschulausbildung. Oder man beginnt, wie im höheren Dienst mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium, seine Tätigkeit, wobei in allen Bereichen regelmäßige Fort- und Weiterbildungen angeboten werden, bzw. sind diese wie in der Steuerverwaltung obligatorisch.
Und so eingestellte, aus- und weitergebildete Kolleginnen und Kollegen müssen im System gehalten werden. Es ist heute bei weitem nicht mehr so, dass nach dem Eintritt in den Öffentlichen Dienst ein Ausscheiden ausgeschlossen erscheint. Es lohnt sich, den Mitarbeitenden gleich welcher Laufbahn und Tätigkeit den Sinn der Arbeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl, getragen von dem professionellen gemeinsamen Ziel des Arbeitens für ?die Gemeinschaft in Form des Staates?, stets zu spiegeln, zu vermitteln und als Vorgesetzte auf allen Ebenen auch vorzuleben.
Die Menschen bilden den eigentlichen Wert staatlicher Organe ab. Jeder Fall ist anders gelagert und bedarf einer individuellen Bearbeitung, um dem Kunden, den Bürgern, gerecht zu werden. Nicht zu verkennen ist natürlich, dass Automation und KI die Bearbeitung erleichtern und auch zeitgemäß angepasst hilfreich und nützlich sind. Die Verwaltung muss in die Gesellschaft hineinpassen und bildet idealerweise keine ?Insel? in einer anderen Welt als der tatsächlichen Arbeitswelt ab. Führend ist und bleibt der Mensch, der die Prozesse verantwortet und eingreift. Die Verwaltung dient keinem Selbstzweck. Verwaltung stellt das Miteinander der Menschen sicher und setzt Grenzen, wo nötig und gewährt Leistung wo Bedürftigkeit. Diese Leitlinie ist humanistisch geprägt und damit steht der Mensch im Vordergrund, als Teil der Organisation und als deren Kunde.
# Konkret: Führung
Da wo Menschen zusammenarbeiten, ist Organisation und Führung unerlässlich. Sie stecken den Rahmen ab und gewährleisten nicht zuletzt auch die erforderliche Berechenbarkeit der Einrichtung.
Führung heißt dabei eigene Kompetenz und Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Organisationsmitglieder, der Mitarbeitenden. Die Kommunikation und der gegenseitige Austausch im System ist von zentraler Bedeutung für den Erfolg der einzelnen Teilbereiche und am Ende der ganzen Behörde. Nicht alle müssen alles wissen und können, sondern die Kompetenzen müssen verteilt und die Behörde muss breit aufgestellt sein. Deshalb ist es sinnvoll, ältere und jüngere Kollegen mit unterschiedlichen Ausbildungen zusammenzubinden und eine Arbeitsgemeinschaft zu formen. Die Zusammenarbeit unterschiedlicherer Ebenen und Verantwortungsbereiche macht die Administration erst erfolgreich, die Verzahnung von praktischer Kompetenz und theoretischem Sachverstand, von Kommunikationsfähigkeit und tiefer Sachkenntnis ist entscheidend.
Das ist indes kein Selbstzweck. Wie gelingt es, am Ende mit einem geringstmöglichen Einsatz der knappen Ressourcen Geld und Arbeitskraft ein gutes Ergebnis zu erzielen? Dafür bedient sich die Verwaltung auch der Hierarchie, die Verantwortung und Kompetenzen zuweist. Es wäre missverstanden, wenn das Team aus unterschiedlichen Mitgliedern völlig unsystematisch agieren würde. Verantwortungen sind klar zuzuweisen und mit dieser Verantwortung korrespondiert Führung, Leitung und Entscheidungsfähigkeit in jedem Sinne. Fällt Verantwortung und Führung auseinander oder wird diese nicht mit Leben erfüllt, bleibt die Organisation weit hinter den Möglichkeiten zurück. Und zur Führung gehört es, die Organisation und die einzelnen Mitglieder zu kennen und richtig einzuschätzen und einzusetzen. Stärken zu stärken und Schwächen zu schwächen, heißt die Kompetenzen der Einzelnen genau zu kennen und sie an der richtigen Stelle mit der richtigen Aufgabe zielgerecht zu betrauen. Das kostet für die Führungskraft Zeit und Energie, die sich lohnt, denn eine so zusammengebundene Organisationseinheit ist stärker als die Summe der Einzelfähigkeiten und bildet bei kluger Zusammensetzung und individueller Ansprache bzw. Abstimmung untereinander die Garantie für eine hoch effiziente Arbeitseinheit, in der der Einzelne für seine Kompetenzen (sehr unterschiedliche) geschätzt wird und in der man sich gut aufgehoben fühlen kann, was nicht mit Wohlfühlatmosphäre verwechselt werden darf. Und das zu ermöglichen und jeden Tag fortzuschreiben, an Situationen anzupassen, ist eine wesentliche Aufgabe der Führungskraft in der Verwaltung.
Darüber hinaus macht diese Herangehensweise die Administration zu einem Arbeitgeber, der klare Regeln und einen sicheren Rahmen bietet. Wichtig ist dabei aber auch, dass der freundschaftliche und informelle Austausch und das lockere Miteinander nicht auf der Strecke bleiben. Nur so kann die oben beschriebene Arbeitsstruktur tatsächlich mit Leben erfüllt werden. Gerade wenn die Teammitglieder unterschiedlich sind in Alter, Ausbildung, Lebenserfahrung und Kompetenzen und damit sinnvollerweise auch unterschiedliche Dinge tun (idealerweise greifen die Zahnräder ineinander), bedarf es eines vertrauensvollen Umgangs miteinander, der von Wertschätzung und Verständnis geprägt ist. Dies gilt auch über die Hierarchiegrenzen hinweg, was aber keinesfalls zur Verwässerung der Verantwortung führen darf. Alle in die Verantwortung einzubinden und mitzunehmen, Sinnhaftigkeiten im Gesamtzusammenhang darzustellen und Verständnis für das Organisationsziel zu fördern ist selbstverständlich für eine moderne Führungskraft; am Ende bleibt es aber bei den abschließenden Verantwortlichkeiten, die gelebt werden müssen und die Platz greifen, wenn Dinge auch mal schiefgehen. Aus eigener Erfahrung ist festzuhalten, dass dies die wichtigste und herausforderndste Aufgabe der Führungskräfte in der Verwaltung ist, die nur dann gelingen kann, wenn ein ständiger Wechsel in der Organisation stattfindet und man den in der Verwaltung möglichen Wechsel zwischen Fach- und Führungsverwendungen nutzt.
# Moderne Verwaltung als attraktiver Arbeitgeber
Schon bis hierhin sollte deutlich geworden sein: Die Verwaltung ist weniger statisch als ihr Ruf. Vielmehr handelt es sich um einen interessanten und facettenreichen Arbeitgeber, der einen bunten Strauß an Optionen bietet und eine sinnstiftende und gestaltende Tätigkeit abbildet. Dabei entwickelt sich die Administration immer weiter. Eine Behörde von heute ist nicht mit einer solchen vor 30 Jahren vergleichbar. Arbeitskulturen haben sich, nicht zuletzt durch den Nachwuchs auf allen Ebenen weiterentwickelt und der Mindset ist ein neuer, ein anderer, ein an den Bedürfnissen der Kunden orientierter, geworden. Und die Arbeitskulturen sind durchaus unterschiedlich. Eine kommunale Behörde arbeitet anders als eine oberste Bundesbehörde, wobei gerade die Unterschiedlichkeit die Bandbreite zeigt und den individuellen Vorstellungen der Beschäftigten entgegenkommt. Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung bieten den Mitarbeitenden die Möglichkeit, innerhalb der Struktur aufzusteigen und sich durch neue Aufgaben weiterzuentwickeln.
# Schlusswort: Es lohnt sich, die Verwaltung in die Berufsauswahl einzubeziehen. Am Ende eine persönliche Anmerkung.
Mit dem Beitrag möchte ich einen Bogen spannen, der auf die wesentlichen Aspekte der ?Arbeit für den Staat? eingeht und dem geneigten Leser die Chance bietet, einen Eindruck der Verwaltung als künftigen Arbeitgeber zu gewinnen. Ich habe mich vor vielen Jahren entschieden, den Weg in die Verwaltung zu suchen und würde es wieder tun. Ich habe Flexibilität erlebt, musste sie aber auch zeigen. Die Arbeit für das Gemeinwesen, die eigene Leistung als Beitrag für eine funktionierende, moderne und bürgernahe Administration ist ein Wert an sich und eine sinnstiftende Motivation, die hilft, wenn es wie in jedem Job auch einmal nicht rund läuft. Ich würde mich sehr freuen, wenn junge Menschen mit neuen und modernen Ideen den Staat und seine Administration voranbringen und zeitgemäß entwickeln.
Autor
Christian Seel c.seel@staatskanzlei.saarland.de