Wechseln zu: Navigation, Suche
Duales Studium
Version vom 28. August 2015, 12:58 Uhr von Admin (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Bestätigte Version (Unterschied) | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Duale Studiengänge ermöglichen den Spagat, Fachkräftenachwuchs nicht nur akademisch, sondern auch praxisorientiert und passgenau für ein Unternehmen zu qualifizieren. Anders als viele traditionelle Studienangebote enthalten duale Studiengänge einen sehr hohen Praxisanteil im Betrieb, der bis zur Hälfte des Studiums ausmachen kann. In diesen Praxisphasen lernt der Student bereits die betriebsinternen Arbeitsprozesse kennen, ist wertschöpfend tätig und kann seine Arbeitsleistung unter Beweis stellen.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die sich ein aufwändiges Recruiting und eigene Traineeprogramme für Hochschulabsolventen nicht leisten können, bieten duale Studiengänge eine Möglichkeit, junge Talente zu entwickeln und an sich zu binden. Allerdings muss das Unternehmen wissen, welche Qualifikationen es mittelfristig benötigt und welche dualen Studiengänge dafür in Frage kommen. Denn mittlerweile gibt es mehr als 1.000 dualer Studienangebote über ein breites Fächerspektrum hinweg, mit verschiedenen Abschlusstypen (Bachelor, Master) und in verschiedenen Varianten.

Duale Studienmodelle im Überblick

Die Vielfalt an dualen Studienvarianten ist groß. Grob kann man folgende Modelle unterscheiden:

  • praxisintegrierte Studiengänge als Grundmodell dualer Studiengänge, in denen in drei Jahren Theoriephasen an der Hochschule oder Berufsakademie und Praxisphasen im Betrieb in der Regel im zwölfwöchigen Turnus abwechseln,
  • ausbildungsintegrierte Studiengänge, in denen in rund fünf Jahren zusätzlich zum Hochschulabschluss ein anerkannter Berufsbildungsabschluss erworben wird, also Studium plus Lehre, und
  • ausbildungsbegleitende Studiengänge, wo das Studium am Ende oder kurz nach Abschluss einer Berufsausbildung ansetzt und Teile der Berufsausbildung angerechnet werden.
  • berufsintegrierende Studiengänge, in denen das Studium in Teilzeit mit engen Bezügen zur parallel laufenden beruflichen Tätigkeit absolviert wird.

Was muss der Betrieb tun?

1. Auswahl des dualen Studienganges

Wenn klar ist, welche Qualifikationen das Unternehmen mittelfristig braucht, muss ein Studiengang und eine Hochschule bzw. Berufsakademie ausgewählt werden. Mit dem Hochschulkompass oder der Datenbank AusbildungPlus können duale Studiengänge recherchiert werden. Bei der Auswahl sollte das Studienfach die ausschlaggebende Rolle spielen, gefolgt vom gewünschten Studienmodell und der räumlichen Nähe des Anbieters. Teilweise erheben die Hochschulen bzw. Berufsakademien auch Studien- und Prüfungsgebühren für duale Studiengänge. Dann ist zu überlegen, ob das Unternehmen diese (anteilig) finanziert oder nicht. In der Regel bezahlt das Unternehmen dem dual Studierenden auch eine Ausbildungsvergütung. Welche Höhe üblich ist, kann die Hochschule mitteilen. Bei ausbildungsintegrierenden Studiengängen ist eine (oftmals tariflich festgelegte) Ausbildungsvergütung bis zum Berufsabschluss verpflichtend.

2. Kooperation mit dem Anbieter

Ist der passende Studiengang gefunden, sollte mit der Hochschule bzw. Berufsakademie Kontakt aufgenommen und die Bedingungen für Praxisbetriebe und Studenten abgestimmt werden. Beispielsweise regeln die Studienordnung und das Modulhandbuch zum Studiengang, welche Inhalte in den Praxisphasen zu vermitteln sind und welche Leistungen der Student in einer Praxisphase zu erbringen hat. Auch können konkrete Anforderungen an das betreuende Personal oder an die Ausstattung des Unternehmens bestehen. Sind die Erwartungen und Bedingungen beidseitig erfüllt, wird ein Kooperationsvertrag zwischen Betrieb und Hochschule abgeschlossen.

3. Auswahl des Studenten

Ein duales Studium stellt hohe Anforderungen an den Studenten: die Doppelbelastung der Theorie- und Praxisausbildung, ein straffes Curriculum, viele, in kurzer Zeit zu erbringende Leistungsnachweise, keine Semesterferien (sondern nur Urlaub vom Arbeitgeber). Die dafür notwendige Belastbarkeit, Zielstrebigkeit und Disziplin sollte das Unternehmen ? neben der persönlichen Passung des Bewerbers zum Unternehmen und den formalen Voraussetzungen ? gut prüfen.

4. Vertragsbindung des Studenten

Ist ein geeigneter Kandidat gefunden, wird ein Vertrag zwischen Unternehmen und Student abgeschlossen. Oftmals stellt die Hochschule bzw. die Berufsakademie Musterverträge zur Verfügung. Darin werden die Pflichten des Praxisunternehmens sowie des Studierenden, Arbeitszeiten, Urlaubsansprüche und die Vergütung geregelt. Dieser Praxisvertrag ist eine Zulassungsvoraussetzung für die Hochschule. Ist der Student auch an der Hochschule angenommen, kann das duale Studium beginnen.

5. Organisation der Praxisphasen und Betreuung

Damit die zukünftige Fachkraft bestens auf eine Tätigkeit im Unternehmen vorbereitet wird, empfiehlt sich ein betrieblicher Ausbildungsplan mit allen zu absolvierenden Stationen und Arbeitsaufgaben. Dieser Ausbildungsplan muss mit den im Modulhandbuch vorgegebenen Inhalten abgestimmt sein. Idealerweise sollte der Student die gesamte Wertschöpfungskette im Unternehmen kennenlernen und zunehmend anspruchsvollere Aufgaben übertragen bekommen. Auch sollte für das gesamte Studium ein Betreuer festgelegt werden, der Hilfestellungen bietet, Feedback gibt und ein besonderes Augenmerk auf Talente und Interessen des Studenten legt. Freistellungen für Prüfungen oder die Erstellung der Bachelor- bzw. Master-Thesis entlasten den Studenten und ermöglichen einen bestmöglichen Studienabschluss.

Tipps für eine frühzeitige Bindung dual Studierender

Während des dualen Studiums kann der Betrieb seine Nachwuchskraft umfassend kennenlernen. In dieser Zeit kann auch bereits einiges in Sachen Mitarbeiterbindung getan werden. Denn die Investition soll sich ja auch auszahlen. Hier einige Tipps, wie Sie als Arbeitgeber bei Ihrer Nachwuchskraft punkten können:

  • Wenn die Berufsakademie oder Hochschule weiter weg liegt, könnten Sie zu den Fahrtkosten beisteuern, etwa durch ein Jobticket.
  • Binden Sie die Nachwuchskraft bestmöglich in den Betrieb ein. Lassen Sie sie möglichst viele Abteilungen durchlaufen, Mitarbeiter und Kunden kennenlernen und an betrieblichen Aktivitäten teilhaben.
  • Geben Sie Anregungen für Haus- und Praxisarbeiten. Sie können mit dem Studenten sogar eine konkrete betriebliche Problemstellung vereinbaren, die er in seiner Abschlussarbeit bearbeitet.
  • Nutzen Sie umgekehrt das theoretische Wissen und die Impulse, die der Student aus der Hochschule mitbringt.
  • Lassen Sie Ihren dualen Studenten an internen und externen Schulungen teilnehmen, die beispielsweise zusätzlich zum Studium berufs- und betriebsrelevantes Wissen vermitteln.
  • Geben Sie dem Studenten regelmäßig Feedback. Fragen Sie auch nach Lernfortschritten und Problemen in den Theoriephasen und unterstützen Sie bei Bedarf Nachhilfe oder Prüfungsvorbereitungen.
  • Führen Sie jährlich ein Mitarbeitergespräch mit dem Studenten, das auch berufliche Perspektiven und Karrierewege in Ihrem Unternehmen thematisiert.
  • Gegen Ende des Studiums sollte ein Gespräch zur konkreten Weiterbeschäftigung stattfinden.

Das Duale Studium - Was bringt's dem Betrieb?

Nutzen Kosten

Passgenaue betriebsspezifische und akademische Qualifizierung von Fach- und Führungskräftenachwuchs

Rekrutierungskosten

Arbeitsleistung des Studierenden

Betreuungskosten

Bei ausbildungsintegrierten Studiengängen kürzere Qualifizierungsdauer als bei separater Berufsausbildung und Studium

Ausbildungs-/Praktikumsvergütung, ggf. Studiengebühren u. ä.

Einsparung von Personalbeschaffungs- und Einarbeitungskosten bei Übernahme


Stärkung des Unternehmensimages


Fazit

Wer bei der Ausbildung seiner akademischen Nachwuchskräfte "ein Wörtchen mitreden" möchte, der ist bei dualem Studium genau richtig.

Autor

Dr. Mandy Pastohr

pastohr(at)rkw.de