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Kinderbetreuung bei der INOSOFT AG

Die INOSOFT AG ist ein EDV-Systemhaus mit den Schwerpunkten IT-Consulting und Software-Entwicklung. Aus der Kombination von Software und Beratung fertigt das Unternehmen skalierbare IT-Lösungen – zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Kunden. Das Leistungsspektrum reicht von der Abwicklung technischer Aufgaben über professionelles Projektmanagement bis hin zur kompetenten Beratung und Realisierung von Großprojekten.

Die INOSOFT AG beschäftigt rund 50 Mitarbeiter. Davon sind ca. 80% Männer. Die Teilzeitquote liegt bei rund 20%, wobei hier die männlichen Kollegen den größten Anteil ausmachen. Alle Mitarbeiter sind fest angestellt. Vor ca. 7 bis 8 Jahren wurden die ersten Mitarbeiter Eltern. Mittlerweile erwarten einige Familien bereits das dritte Kind. Eine geraume Anzahl von Mitarbeitern lebt bereits in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus bzw. ist auf dem Weg dorthin.

Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen der verschiedenen Abteilungen unterscheiden sich relativ stark voneinander. Die Verwaltung und der Vertrieb sind nur temporär oder zu Messezeiten auswärts tätig. Der Bereich Software-Entwicklung musste sich in den letzten Jahren darauf einstellen, immer öfter vor Ort bei Kunden tätig zu werden. Gleichwohl wird hier ungefähr nur ¼ der Abteilungs-Arbeitszeit auswärts gearbeitet.

Ganz anders sieht die Situation bei den Consulting Mitarbeitern aus. Diese Tätigkeiten finden fast ausschließlich bei Kunden statt, teilweise auch mit mehreren Auswärtsübernachtungen pro Woche. Die Auswärts-Arbeitszeit dieses Bereiches beläuft sich auf rund 85%.

Unternehmensphilosophie

"Die Mitarbeiter sind unser größtes Kapital!" Dieses von vielen Unternehmen angepriesene Schlagwort wird bei der INOSOFT AG auch gelebt. Als Dienstleistungsunternehmen im IT-Umfeld sind sowohl fachliches Know-How als auch entsprechende Softskills und Engagement unerlässlich.

Schon seit Gründung war es erklärtes Ziel des Unternehmens, die heute unter "Work-Life-Balance" bekannten Parameter zu fördern. Leben und Arbeiten sollte nie ein Gegensatz bei INOSOFT sein. Die INOSOFT AG wollte und ist für die Mitarbeiter ein wichtiger und zuverlässiger Baustein in deren Lebensplanung.

Die Idee der Kinderbetreuung

Ursprüngliche Pläne:

  • Kinder 1-10 Jahre;
  • Öffnungszeiten 7 bis 18 Uhr;
  • Keine Unterbrechung der Betreuung durch Urlaub;
  • Integrativ - auch beim Personal;
  • Kinder von Angestellten und den umliegenden Orten;
  • Mittagsküche - auch für Mitarbeiter;
  • Verschiedene zeitliche Gruppen (Vollzeit, Betreuung nach. der Schule, vormittags, nachmittags und andere);
  • räumliche Nähe zur INOSOFT
     

Wünsche und Vorstellung der Mitarbeiter

Natürlich wurden die Mitarbeiter vor der gesamten Planung nach ihren Wünschen und Bedürfnissen befragt. So ziemlich jeder war begeistert von der Idee und hatte durchaus noch weitere Vorschläge einzubringen. Allerdings wollte kein Mitarbeiter und keine Mitarbeiterin verbindlich zusagen, ihr/e Kind(er) in einem Kinderhaus des Unternehmens betreuen zu lassen.

Erste klägliche Versuche

Im Jahr 2001 fand ein erster Termin beim Jugendamt Marburg statt. Thema des Gesprächs: Das INOSOFT Kinderhaus. Das damalige Konzept basierte auf den oben genannten ursprünglichen Plänen.

Zunächst musste das Konzept auf Wunsch des Jugendamtes weiter ausgearbeitet werden. Letztendlich liefen alle Bemühungen darauf hinaus, dass die Vertreter der INOSOFT im Verlauf der Gespräche zwar über alle Auflagen informiert wurden, aber keinerlei Signal erhielten, welches das Vorhaben auch nur andeutungsweise positiv bewertete.

Informationen darüber, was alles nicht möglich war (z.B. Kinder aus anderen Orten aufzunehmen) waren leicht zu erhalten. Informationen über mögliche Zuschüsse waren extrem vage und boten keinerlei Planungsgrundlage. Auf Grund dieser entmutigenden Situation wurden die Pläne eines Kinderhauses zunächst auf Eis gelegt.

Neuer Anlauf

Trotz dieser negativen Erfahrungen blieb die Idee der Kinderbetreuung aktuell. "Geht nicht, gibt’s nicht!" Dies sollte nicht nur für die Arbeit gelten. Die Frage war, wie schafft man es als kleines Unternehmen, den Mitarbeitern die Sicherheit zu bieten, dass die Betreuung nicht möglicherweise nach 1 oder 2 Monaten wieder eingestellt wird.

Kontinuität ist gerade hier ein ganz wichtiger Aspekt und viele Mitarbeiter hatten bereits für sich ein komplettes "Kinderbetreuungsnetz" (Tagesmutter, Kindergarten, Eltern, Freunde usw.) aufgebaut. Dies alles aufzugeben, wäre sträflicher Leichtsinn gewesen.

So wurde folgende Lösung gefunden:

Es sollten einfach die Voraussetzungen für eine Betreuung geschaffen werden, und die Eltern sollten selbst entscheiden, wie oft und wie lange sie die Betreuung in Anspruch nehmen wollen.

  • Welche Altersgruppen?
    Es sollte die Möglichkeit geben, zwei verschiedene Altersgruppen zu betreuen (0 bis 3 Jahre und 3 bis ca. 10 Jahre). Diese Gruppen sollten nicht in Vollzeit betreut werden, sondern vorerst nur am Nachmittag.

    Für die Gruppe "3 Jahre +" wurde ein ehemaliger Bürocontainer angeschafft und für die Kinder eingerichtet. Das Aussengelände der INOSOFT ist sehr großzügig mit Rasenflächen, Beachvolleyballfeld, Grillplatz usw. ausgestattet. Dies wurde noch um einen Spielplatz mit Holzhaus, Schaukeln usw. erweitert.

    Die Kleinsten bekamen ihren Platz im Aufenthaltsraum des Firmengebäudes. Dieser wird von den Mitarbeitern nur in der Mittagspause genutzt und wurde für die Kinderbetreuung jeweils mit Teppich, Hochstühlen, Kinderwippen und Spielzeug ausgestattet.
     
  • Wer betreut?
    Für die über 3jährigen Kinder konnte ein angehender Erzieher gewonnen werden, der von der INOSOFT AG angestellt wurde. Für die Kleinsten konnte über den Tagesmütterverein Marburg eine engagierte Tagesmutter gefunden werden. Diese ist selbständig tätig und nimmt als Vereinsmitglied an allen notwendigen Fortbildungen teil.
     
  • Wann wird betreut?
    Von ursprünglich einem Nachmittag in der Woche hat sich die Betreuungszeit mittlerweile ausgeweitet. Die größeren Kinder wurden allerdings noch nie öfters als zweimal in der Woche betreut. Sie haben in diesem Alter schon zu viele "Termine".

    Bei den Kleinen ist der Betreuungsbedarf größer. Meist findet die Betreuung ebenfalls zweimal in der Woche statt, manchmal aber auch häufiger. Noch nie wurde von den Eltern bisher eine Betreuung am Vormittag gewünscht!
     
  • Besonderheiten
    Durch die Zusammenarbeit mit der Tagesmutter konnte eine Notfall-Kinderbetreuung etabliert werden. Bei Krankheit oder sonstigen Notfällen übernimmt die Tagesmutter auch die Betreuung eines Kindes über Nacht. Ein beruhigender Aspekt für alle Eltern.
     
  • Wer bezahlt
    Die Kosten für die Betreuung übernimmt das Unternehmen. Ebenso die Kosten für Container, Strom und notwendiges Equipment. Die Kinderbetreuung ist in der Betriebshaftpflichtversicherung des Unternehmens berücksichtigt.

    Den Eltern obliegt es, für eine Unfallversicherung der Kinder zu sorgen. Hier sorgt eine schriftliche Einverständniserklärung der Eltern für entsprechende Rechtssicherheit.
     

Vorschriften und (andere) Stolpersteine

  • Das Jugendamt
    Nach der Gesetzeslage in 2006 mussten die Räume, in denen die Betreuung stattfindet, vom Jugendamt besichtigt und auf ihre Eignung hin beurteilt werden. Der Termin fand erst Ende des Jahres 2006 statt und der eher desinteressierte Abgesandte des Jugendamtes sah sich nicht in der Lage, eine positive Entscheidung zu treffen. Knackpunkt waren die fehlenden niedrigen Kindertoiletten. Auch dessen Vorgesetzte konnte diese Entscheidung nicht treffen.

    Das Problem hat sich durch eine Gesetzesänderung in 2007 quasi in Luft aufgelöst. Allerdings hätten wir bei Ablehnung auch erheblichen Widerstand geleistet und die Betreuung auf jeden Fall weitergeführt. Die vom Jugendamt genannten Vorbehalte hatten nichts mit "Kindeswohl" zu tun.
     
  • Versicherungen
    Die Kinder sind durch die Eingliederung in die Betriebshaftpflichtversicherung haftpflichtversichert. Der angehende Erzieher ist als Mitarbeiter des Unternehmens ebenfalls haftpflichtversichert und unfallversichert über die Berufsgenossenschaft.

    Die selbständige Tagesmutter hat eigene Versicherungen. Die Eltern der Kinder müssen, soweit sie dies für notwendig erachten, eine Unfallversicherung für ihre Kinder abschließen.
     
  • Kontinuität
    Die INOZwerge gibt es seit 2005 und es gab durchaus Zeiten, in denen mal nur 2 Kinder pro Gruppe betreut wurden. Dies ist extrem wenig und lässt immer befürchten, dass die Betreuung eingestellt werden muss.

    Allerdings ist von Seiten der INOSOFT AG klar, dass das Angebot ein stabiler Standart sein muss, wenn das Betreuungsangebot von den Eltern wahrgenommen werden soll. Insofern sind sicherlich Geduld und ein langer Atem notwendig.
     

Fazit

Auch wenn es kein Kinderhaus ist, ist es doch ein Schritt in die richtige Richtung. Die Kinder, die von den Müttern gebracht werden und abends mit Papa "von der Arbeit" kommen, fühlen sich wohl. Die Eltern genießen die Möglichkeiten, die sich dadurch bieten. Die Bindung und Identifikation der Mitarbeiter an das Unternehmen wird gestärkt. Die Familie ist nicht ausgeschlossen aus der Arbeitswelt des Vaters oder der Mutter.
 

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Autor

Batz

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