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Lösungen für betriebliche Kinderbetreuung

Wer Top-Arbeitgeber sein will, muss heute mehr bieten als Geld. Kinderbetreuung steht weit oben auf der Wunschliste von Belegschaften und Job-Suchern und ist Aushängeschild familienfreundlicher Betriebe. Immer mehr Arbeitgeber schaffen für ihre MitarbeiterInnen daher Möglichkeiten für die Betreuung des Nachwuchses.

Damit profilieren sie sich als familienfreundliche Unternehmen, können Elternzeiten reduzieren, Fachwissen im Unternehmen halten und sich im Wettbewerb um Fachkräfte weit vorn positionieren. Der Telekommunikationsanbieter o2 in München und der Reifenhersteller Michelin machten sich auf den Weg und realisierten unterschiedliche Kinderbetreuungslösungen.

Skeptische Führungskräfte bei Michelin

Der Weg zum Kinderbetreuungsangebot ist nicht immer einfach und gestaltete sich in jedem Unternehmen anders. Beim Reifenhersteller Michelin in Karlsruhe galt noch bis vor kurzem: Führungskräfte sind Männer, deren Frauen zu Hause Kinder und Haushalt übernehmen. Die Notwendigkeit ganztägiger Kinderbetreuung und einer Versorgung für unter Dreijährige sahen sie zunächst gar nicht.

Die betriebswirtschaftliche Rechnung

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht jedoch, stellt sich das Thema heute anders dar. Fachkräfte sind rar auf dem Markt und Unternehmen müssen häufig mehr bieten als attraktive Gehälter, um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und sie im Unternehmen zu halten.

Früher waren Frauen, die Kinder bekamen, in der Regel für mindestens drei Jahre, oft sogar für immer, aus den Unternehmen raus. Das wird zunehmend als ein betriebswirtschaftlich unvernünftiger Aderlass empfunden.

40 Prozent Frauen bei o2 in München

In der Münchner Zentrale des Telekommunikationsanbieters o2 arbeiten ca. 3.500 Beschäftigte, 40 Prozent von ihnen sind Frauen. Als das Unternehmen begann, erstmals über die Einrichtung einer eigenen Krippe, der "Bubble-Bande", nachzudenken, lag der Altersdurchschnitt bei 31 Jahren. Das ist das Alter, in dem die großteils akademisch gebildeten Frauen Kinder bekommen. Die Schwangerschaften mehrten sich tatsächlich, machten die Brisanz des Themas deutlich und verschafften den Kinderkrippen-Plänen Gehör.

Bei Michelin stellten die klare Aussage der französischen Zentrale für Kinderbetreuung und das "Audit beruf und familie", dessen Grundzertifikat Michelin 2006 erwarb, die Weichen. Mit dem Audit hatte sich das Unternehmen auch zu Kinderbetreuungsmaßnahmen bekannt, die es jetzt umzusetzen galt. Bedarf gibt es vor allem bei Michelin Karlsruhe mit 2.000 Beschäftigten, wo Marketing und Vertrieb angesiedelt sind, Bereiche mit hohem Frauenanteil.

Dienstleister findet passende Lösung für Michelin

Wenn die Entscheidung für Kinderbetreuung gefallen ist, kommen die Fragen einer geeigneten Umsetzung auf die Unternehmen zu. Plötzlich steht das Unternehmen vor einem Paragraphenwust. Man braucht einen externen Dienstleister. Michelin hat daher die „Konzept-e für Bildung und Soziales“ aus Stuttgart zu Rate gezogen.

Die Lösung, die das Beratungsunternehmen dann umsetzte, lautete: Neubau eines Kinderhauses in Kooperation mit der Stadt Karlsruhe. Es entstand eine unternehmensnahe aber öffentliche Einrichtung, die "Gummi-Bärchen", an deren Errichtung sich Michelin finanziell beteiligte. Im Gegenzug erhielt das Unternehmen acht Belegplätze in dem ganztags geöffneten Haus, das Kinder ab sechs Monaten aufnimmt. Träger ist der Verein "Kind und Beruf", ein Zusammenschluss von Unternehmen, in dem Michelin ebenfalls Mitglied ist.

o2: Businessplan erstellt und auf Trägersuche gegangen

Beim Telekommunikationsanbieter o2 in München arbeitete sich der Betriebsrat umfassend in das Thema Kinderbetreuung ein, durchreiste die Republik, besuchte Einrichtungen anderer Firmen und erstellte schließlich einen eigenen Business-Plan für das Kinderbetreuungs-Vorhaben.

Dieser sah die Errichtung eines Krippen-Neubaus auf einem Grundstück, nahe dem Firmengelände, vor. Bei der Wahl des Trägers, des "Kind und Beruf e.V.", gab deren innovative Pädagogik letztlich den Ausschlag. Die Krippe ist ein wichtiger Image-Faktor für das Unternehmen, daher wird auf innovative Konzepte und Professionalität großen Wert gelegt.

Ansturm auf Betreuungsangebot

Die Krippe in München und das Kinderhaus in Karlsruhe kommen gut an. Ein Mitarbeiter bei Michelin in Karlsruhe wollte sogar einen Platz für ein noch nicht gezeugtes Kind reservieren. Abwegig ist das nicht, denn das Angebot von acht Belegplätzen deckt die Nachfrage nicht. Das Angebot war sofort ausgebucht. Weitere Plätze sollen eventuell zugekauft werden. Auch die "Bubble-Bande", die Anfang 2008 nach zwei Jahren intensiver Vorarbeit ihren Betrieb aufnahm, ist mit 36 Plätzen eher zu klein dimensioniert.

Betriebe, die sich entsprechend engagieren, werden ihr Betreuungsengagement immer wieder auf den Prüfstand stellen. Insofern empfiehlt es sich, Indikatoren aufzubauen und Zahlen zu erheben, die den Erfolg nachvollziehbar und messbar machen.
  

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Autor

Eike Ostendorf-Servissoglou
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