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Mitarbeiter mit Migrationshintergrund
Ethnische, religiöse und sonstige Vielfalt ist in Unternehmen wie auch in der gesamten Gesellschaft seit Jahren in zunehmendem Ausmaß Realität – egal ob uns das gefällt oder nicht. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch weiter forstsetzen.
Die Vorteile ethnischer Vielfalt für ein Unternehmen wurden oft beschrieben. Kurz zusammegefasst bestehen sie darin, dass
- bei Ansprechen aller Bevölkerungsgruppen der Pool an potenziellen MitarbeiterInnen größer ist,
- eine Vielfalt in der Belegschaft ein zielgruppengerechtes Ansprechen (im wörtlichen und übertragenen Sinn) von vielfältigen Kunden und Kundengruppenermöglicht und
- eine vielfältige Belegschaft durch ihre breitgefächerten kulturellen und sprachlichen Kompetenzen und ihre unterschiedlichen Erfahrungen innovative Lösungen in einer Welt, die sich ständig wandelt, begünstigt.
Warum ist das Thema wichtig?
Vielfalt wird oft erst wahrgenommen, wenn Konflikte auf unterschiedliche Kulturen, Sprachschwierigkeiten etc zurückgeführt werden. Der Personalentwicklung kommt in zunehmendem Ausmaß die Aufgabe zu, für einen produktiven Umgang mit der Vielfalt der Belegschaft zu sorgen. Dieser zeigt sich auf zwei Ebenen:
- als Vorteil für Unternehmen, indem Potenziale genutzt werden und kostspielige Verfahren nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vermieden werden,
- als Vorteil für Unternehmen und Mitarbeiter, indem Diskriminierung verhindert, auftretende Benachteiligungen beseitigt und Konflikte offen angesprochen und gelöst werden.
Welche Ansätze gibt es?
Es gibt drei Traditionen und Ansätze der Beschäftigung mit Vielfalt in Unternehmen: betriebswirtschaftliche (Diversity Management, Managing Gender and Diversity,...), politische (Antidiskriminierung) und rechtliche (Vermeidung von rechtlichen Sanktionen).
Alle drei sind in Kontinentaleuropa seit Umsetzung der EU-Antidiskriminierungs-Richtlinien aus dem Jahr 2000 für Unternehmen relevant geworden. Als Knackpunkt hat sich bei allen Ansätzen herausgestellt, dass es sinnvoll ist und die betroffenen Mitarbeiter (Mehrheits- und Minderheitsangehörige) auch besonders motivieren kann, wenn die Vorteile von Vielfalt - über eine rein defensive Strategie (Abbau von Diskriminierung,...) hinausgehend - herausgestrichen und genutzt werden (Win-Win-Lösungen,...).
Beispiele für innerbetriebliche Maßnahmen
Fördermaßnahmen für sprachliche Minderheiten waren oft die ersten Maßnahmen, die in Unternehmen ergriffen wurden. Diese Maßnahmen betreffen Bereiche, in denen ein gemeinsamer (meist sprachlicher) Standard erforderlich ist. Viele Unternehmen organisieren betriebliche Sprachkurse, um ihren MitarbeiterInnen die dafür notwendigen Sprachkenntnisse zu vermitteln.
Die Berücksichtigung kultureller Unterschiede stellt eine Ergänzung zu Fördermaßnahmen in den Bereichen dar, wo Anpassung oder das Erlernen von Gewohnheiten der Mehrheit nicht nötig oder zumutbar ist. Typische Beispiele sind die Berücksichtigung besonderer Ernährungsgewohnheiten oder religiösen Geboten, Verfügbarkeit von Gebetsräumlichkeiten oder spezielle Pausenregelungen für muslimische MitarbeiterInnen während des Ramadans.
Maßnahmen gegen rassistische Einstellungen auf Betriebsebene betreffen in erster Linie die Mehrheitsangehörigen. Maßnahmen gegen rassistisches Verhalten und für Chancengleichheit sind die wohl weitreichendsten, die ein Unternehmen ergreifen kann.
Initiative und Anlassfälle
Erfahrungen zeigen, dass die Initiative zu einschlägigen Maßnahmen oft von der Personalabteilung und/oder dem Betriebsrat ausgehen. Es hat sich als hilfreich erwiesen, von Anfang an die Unternehmensleitung einzubeziehen (Top Down Ansatz), um die Bedeutung des Themas herauszustreichen.
Anlassfälle für Maßnahmen sind häufig:
- Beschwerden wegen diskriminierender Personaleinstellungspolitik
- Kommunikationsprobleme
- Konfliktvermeidung und –schlichtung
- Stress im Umgang mit bestimmten Kunden/Klienten
- Regelung der Arbeitsbedingungen (Pausen, Urlaub, Schichten)
- Kündigungen
Für alle diese Bereiche wurden im Rahmen des Equal-Projektes "Gleiche Chancen im Betrieb" mit sieben Musterunternehmen Maßnahmen entwickelt. Auf der Projektwebsite www.gleiche-chancen.at finden sich: Argumente für Maßnahmen zum Umgang mit Vielfalt, Tipps zur Projektplanung, Hinweise zur Evaluierung und Standortbestimmung (Handbuch), Beispiele für betriebliche Maßnahmen (Inventory) sowie die Musterunternehmen.