Entwicklung der Arbeitsfähigkeit
Geltungsbereich: Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern
Arbeitsfähigkeit umschreibt, inwieweit ein Mitarbeiter in der Lage ist, die gestellten beruflichen Aufgaben zu bewältigen. Allgemein wird die Arbeitsfähigkeit eines Menschen bestimmt durch
Die Arbeitsfähigkeit seiner Beschäftigten ist eine zentrale Ressource jedes Unternehmens. Der Work Ability Index bietet ein sehr einfaches und kostengünstig einsetzbares Konzept und Instrument, um Ansatzpunkte und Maßnahmen zur Verbesserung/Entwicklung der Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter zu identifizieren.
Der Work Ability Index (WAI)
In den frühen 80er Jahren haben Arbeitswissenschaftler am Finnish Institute of Occupational Health zur Erfassung von Arbeitsfähigkeit ein kurzes Fragebogeninstrument entwickelt, den WAI. Das Instrument besteht aus zehn Fragen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln Aspekte der eigenen Arbeitsfähigkeit erfassen. Die zehn Fragen werden sieben WAI „Dimensionen“ zugeordnet (siehe Tafel weiter unten). Da jede Antwort mit einem Punktwert verknüpft ist, resultiert als Ergebnis der Befragung ein „WAI-Wert“, der von 7 („keine Arbeitsfähigkeit“) bis 49 („maximale Arbeitsfähigkeit“) lauten kann (eine online Version des WAI-Fragebogens findet sich unter www.arbeitsfaehigkeit.net/46.htm).
Der WAI ist in den 80er und 90er Jahren in Finnland in verschiedenen Längsschnittuntersuchungen validiert worden. Dabei zeigte sich zum Beispiel, dass Personen mit einem niedrigen WAI-Wert ein höheres Risiko für einen vorzeitigen Berufsausstieg innerhalb der folgenden 11 Jahre hatten, als Personen mit einem hohen WAI-Wert.
|
WAI 1. Derzeitige Arbeitsfähigkeit im Vergleich zu der besten, je erreichten Arbeitsfähigkeit WAI 2. Arbeitsfähigkeit in Relation zu den Arbeitsanforderungen WAI 3. Anzahl der aktuellen, vom Arzt diagnostizierten Krankheiten WAI 4. Geschätzte Beeinträchtigung der Arbeitsleistung durch die Krankheiten WAI 5. Krankenstand im vergangenen Jahr WAI 6. Einschätzung der eigenen Arbeitsfähigkeit in zwei Jahren WAI 7. Psychische Leistungsreserven |
Tafel. Übersicht: Die sieben Dimensionen des WAI und die dazugehörigen Fragen
Arbeitsweise des WAI
Mit dem WAI-Fragebogen wird die Arbeitsfähigkeit eines Mitarbeiters durch Selbsteinschätzung subjektiv erfaßt. Der Mitarbeiter kann den Fragebogen entweder selbständig ausfüllen, oder der Betriebsarzt befragt ihn und füllt aus. In die Beantwortung der WAI-Fragen fließen Erwägungen zur beruflichen Situation des Befragten (Arbeitsinhalt, Arbeitsorganisation, soziales Arbeitsumfeld), zu dessen privaten Bedingungen (stützendes und belastendes Umfeld) sowie zu dessen individuellen Voraussetzungen (funktionelle Kapazität, Gesundheitszustand, Motivation, Kenntnisse und Fertigkeiten) ein.
Die Ergebnisse von WAI-Erhebungen zeigen an, ob präventiver Handlungsbedarf bezüglich der Arbeitsgestaltung, der Mitarbeiterführung oder gesundheitsfördernder Maßnahmen besteht. Im Längsschnitt – also über einen längeren Zeitraum - betrachtet, geben WAI-Erhebungen Hinweise darauf, ob Präventionsmaßnahmen erfolgreich gewesen sind.
So legt zum Beispiel bei einem 56-jährigen Verwaltungsangestellten ein WAI-Wert von 32 (von maximal 49) Punkten unbedingt nahe, Maßnahmen zu treffen, denn damit liegt er deutlich unter dem Mittelwert seiner Altersgruppe (nationaler Referenzwert – vgl. weiter unten).
Bei einer WAI-Erhebung in Gruppen zeigen Vergleiche mit den nationalen Referenzwerten an, ob Handlungsbedarf besteht. Außerdem kann der Vergleich verschiedener Gruppen (z. B. Tätigkeiten, Arbeitsgruppen, Altersgruppen) aufzeigen, wo Stärken liegen und wo besonderer Handlungsbedarf besteht.
Maßnahmen zur nachhaltigen Steigerung der Arbeitsfähigkeit
Ein zentraler Befund der Forschung zur Arbeitsfähigkeit ist, dass sie nachhaltig steigerbar ist – auch im Alter.
Das zum WAI-Fragebogen gehörende WAI-Konzept formuliert konkrete Leitlinien für präventive Maßnahmen. Das Konzept benennt vier Handlungsfelder zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit:
Auf diesen Feldern sollte interveniert werden, um die Arbeitsfähigkeit bei Mitarbeitern zu erhöhen. Wenn das Ziel die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten ist, dann müssen die Präventionsansätze „multidimensional“ sein, d.h. es muß gleichzeitig auf mehreren der oben genannten vier Handlungsfelder interveniert werden.
Anwendung des WAI in der Personalentwicklung
WAI-Fragebogen und -konzept können ihren Patz im Kontext von Arbeitsgestaltung beziehungsweise auch von lernförderlicher Arbeitsgestaltung sowie als Evaluationsinstrument für Personal- und Organisationsentwicklungsprozesse erhalten - auch in kleinen und mittleren Unternehmen. Der WAI-Fragebogen ist ein – kostenloses - einfaches und valides Instrument zur Erfassung des Erfolgs entsprechender Projekte.
Dabei ist allerdings zu bedenken, dass die Angaben der Mitarbeiter sensibel sind, also Anonymität und Datenschutz gewährleistet sein müssen. Dies ist nur der Fall bei einer gewissen Mindestgröße des Anwendungsbereichs bzw. des Unternehmens In Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten kann der WAI-Fragebogen für Gruppenerhebungen zumeist nicht sinnvoll eingesetzt werden. Entscheidend ist, dass die Anonymität nicht bezweifelt wird. Bei Anwendung durch den Betriebarzt verhindert dessen Bindung an die Schweigepflicht ein Durchsickern individueller Ergebnissen. Jede betriebliche Anwendung des WAI-Fragebogens (außerhalb der individuellen betriebsärztlichen Anwendung) bedarf der Zustimmung des Betriebsrats. (das kann ich nur so formulieren, die vorherige Version war nicht 100%ig zutreffend und würde mich sehr in Schwierigkeiten bringen)
Das WAI-Netzwerk (www.arbeitsfaehigkeit.net)
Seit 2004 besteht in Deutschland das WAI-Netzwerk, das im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, BAuA, aufgebaut wurde. Dessen hauptsächliche Ziele sind
Etwa 100 Einzelpersonen, Klein-, Mittel und Großunternehmen sowie öffentliche und private Einrichtungen sind Mitglied im Netzwerk (kostenlos). Die nationale WAI Datenbank wird kontinuierlich ergänzt durch die (anonymen) WAI-Daten von Anwendern. Derzeit stehen die Daten von 8000 Personen zur Verfügung. Immer wenn ausreichend Daten zur Verfügung stehen, werden vom Netzwerk Referenzwerte für bestimmte Tätigkeits- und Altersgruppen erstellt. Hierdurch erhalten WAI-Anwender die Möglichkeit, ihre eigenen Ergebnisse in Bezug zu den Mittelwerten sinnvoll vergleichbarer Gruppen zu stellen, was die Aussagekraft der eigenen Ergebnisse noch einmal erheblich steigert. Eine wirkungsvolle Hilfe für Anwender ist die WAI-Software, die Mitgliedern des Netzwerks kostenlos zur Verfügung steht. Sie bietet die Möglichkeit zur Dateneingabe und Berechnung des WAI sowie zur anschaulichen Rückmeldung. Daten lassen sich auf Gruppenniveau berechnen und darstellen. Die zeitliche Verlaufsdarstellung bietet für Einzelne wie auch Gruppen die Möglichkeit, Trends und ggf. den (Miss-)Erfolg von Maßnahmen zu erfassen und zu dokumentieren.